„Ein Besuch in einem Unternehmen kann neue Perspektiven eröffnen“

 

Von der Ersatzfamilie für vernachlässigte Kinder bis hin zu Sprachkursen für Migranten bietet die Organisation SOS-Kinderdorf e.V. weltweit ihre Hilfe an. In Berlin versteht sich das erste SOS-Kinderdorf in einer deutschen Großstadt als Begegnungsstätte für Menschen aller Generationen und Kulturen im Stadtteil Moabit – und setzt sich auch für die  Entwicklung beruflicher Perspektiven von Jugendlichen in der Kooperation mit Unternehmen ein.

Seit 2005 gibt es das SOS-Kinderdorf Berlin-Moabit mit seinem Familienzentrum, im Prinzip eine Art Dorf in der Stadt. „Das ist ein offenes Haus, das einer Vielzahl gesellschaftlicher Gruppen offen steht. Wir haben hier klassische Kinderdorffamilien, eine Kita aber auch eine offene Cafeteria, in die jeder zum Mittagstisch kommen kann. Außerdem gibt es die Erziehungs- und Familienberatung, Familienbildung und den Familientreff.“, sagt Barbara Winter, die Verantwortliche für die Öffentlichkeitsarbeit und Unternehmenskooperationen.

Ein breites Programm – das ohne die Spenden vieler privater und privatwirtschaftlicher Spender, die Unterstützung des Staats und der Kooperationen mit vielen Unternehmen nicht zu machen wäre. Unterstützung kann dabei viele Facetten haben: Neben Geldspenden bringen viele Unternehmen ihr Engagement oder Sachspenden ein oder stiften eigene Dienstleistungen. So hostet Interoute beispielsweise seit vielen Jahren die Webseite der Organisation kostenfrei.

„Was für uns wichtig ist, ist den Kindern entsprechend ihren Bedürfnissen in jeder Entwicklungsstufe die richtige Betreuung bieten zu können“, sagt Frau Winter. Das geschieht zum einen in den Kinderdorffamilien, wo sie mit einer Kinderdorfmutter und mehreren Erziehern im Familienverbund  zusammen leben. Hier werden Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen über viele Jahre hinweg liebevoll und kompetent in ihrer persönlichen  Entwicklung begleitet. Das zeigt auch die Geschichte von Manuel. „Er ist als junges Kind zu uns gekommen, war extrem schüchtern und hatte sehr wenig Vertrauen in seine Umwelt. Im Lauf der Jahre konnte er sich in seiner  Kinderdorffamilie Selbstvertrauen und Sicherheit aneignen.“ Heute spielt Manuel sehr gut Klavier und hat gerade ein Praktikum in einem großen Hotel gemacht. Die Zeichen stehen gut, dass der jetzt 17-jährige bald in ein selbstständiges Leben aufbrechen kann.

Foto: Das Gebäude des SOS Kinderdorf in Berlin/ Moabit

Aber auch im Rahmen der offenen Arbeit kümmert sich das SOS-Kinderdorf um die beruflichen Perspektiven der Jugendlichen, die oft aus sozial schwachen Schichten stammen. „Sehr erfolgreich sind wir hier mit unserem Interviewprojekt, bei dem kleine Gruppen Jugendlicher ausgewählte Partner-Unternehmen besuchen, wo sie ein paar Mitarbeitern Fragen über ihren Werdegang und ihre Arbeit stellen können“, erzählt die langjährige Mitarbeiterin der Organisation. Das Projekt habe den Beteiligten oft schon einen wichtigen Schub für die persönliche Orientierung gegeben, dass es nicht mehr wegzudenken sei. Allein schon eine Firma außerhalb des eigenen Stadtviertels zu besuchen, sei für die Jugendlichen oft ein einschneidendes Erlebnis, dass sie nachhaltig beeindrucke.

Ein schönes Beispiel, wie Non-Profit Organisationen und Privatwirtschaft zum Wohl der Jugendlichen gemeinsam beitragen können.